tarahu
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 08.10.2005 Beiträge: 42
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Verfasst am: 13.07.2006, 04:42 Titel: Vernichtungslager Auschwitz wird vorerst nicht „Nazi-deutsch |
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die jüdische" 12.07.2006 23:10
Vernichtungslager Auschwitz wird vorerst nicht „Nazi-deutsch“ genannt
UNESCO vertagt Entscheidung auf nächstes Jahr / Polen rechnet mit Erfolg für beantragten Namenszusatz
Vilnius/Warschau - Der Name des ehemaligen Vernichtungslagers Auschwitz bleibt auf der UNESCO-Welterbeliste vorerst unverändert. Polen konnte sich im Welterbe- Komitee am Mittwoch nicht sofort mit seinem Antrag durchsetzen, durch eine Umbenennung die Täterschaft Nazi-Deutschlands zu betonen.
Die Regierung in Warschau solle zuerst mit weiteren Konsultationen für einen internationalen Konsens über die Ergänzung des Namens sorgen, verlangte das Komitee bei seinen Beratungen in der litauischen Hauptstadt Vilnius laut einem UNESCO-Sprecher.
Bisher steht die Gedenkstätte als „Konzentrationslager Auschwitz“ auf der Welterbeliste. Die polnische Regierung hatte Ende März beantragt, es künftig „Ehemaliges Nazi-deutsches Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau" zu nennen. Damit reagiert Warschau darauf, dass das Todeslager in der Weltpresse häufig als „polnisch“ bezeichnet wurde. Der beantragte Name soll klar stellen, dass Polen nicht für den Holocaust verantwortlich ist.
Über den polnischen Umbenennungsplan werde das Welterbe-Komitee nächstes Jahr erneut beraten, sagte UNESCO-Sprecher Roni Amelan. Dem nicht-öffentlich
tagenden Gremium gehören 21 Länder an. Darunter sind gegenwärtig weder Polen noch Deutschland. Auch Österreich gehört dem Welterbe-Komitee nicht an.
Der polnische Kulturminister Kazimierz Ujazdowski stellte in Warschau die Vertagung der Entscheidung als Zustimmung der UNESCO dar. Die Umbenennung sei so gut wie beschlossen. „Das ist ein Erfolg Polens im Kampf gegen eine Lüge“, meinte Ujazdowski in Anspielung auf den falschen Begriff „polnisches KZ“ in ausländischen Medien. Nur diese Behauptungen machten eine Änderung des Namens
notwendig, hatte der Minister schon vor Monaten erklärt. „Der Name des Museums darf keinen Freiraum für falsche Interpretationen lassen.“
Die Bundesregierung in Berlin hat keine Einwände gegen den Zusatz „Nazi-deutsch“ für das Vernichtungslager. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes betonte vor der UNESCO-
Entscheidung: „Wir haben Verständnis für den polnischen Wunsch nach Umbenennung und stehen ihm nicht im Weg.“
Die Namensänderung unterstützen viele Organisationen wie das Internationale Auschwitz-Komitee mit Sitz in Berlin, das Institut der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem und der Verband der Jüdischen Gemeinden in Polen. Das
American Jewish Committee und die gegen Antisemitismus kämpfende Anti- Diffamierungs-Liga (Anti Defamation League, ADL) befürworteten die Umbenennung eigens in Briefen an UNESCO-Generaldirektor Koichiro Matsuura.
Den Zusatz „Nazi-deutsch“ will die polnische Regierung nur für die Welterbeliste der UNESCO ergänzen. Das „Staatliche Museum Auschwitz“, zu dem das ehemalige Stammlager und das Vernichtungslager in Birkenau gehören, soll nicht umbenannt werden. Eine Namensänderung der Gedenkstätte sei nicht
notwendig, weil „in Polen jeder weiß, dass es ein Nazi-deutsches Lager gewesen ist“, erklärte der katholische Auschwitz-Überlebende und ehemalige polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszewski. Allerdings sieht Bartoszewski, der
Vorsitzender des Internationalen Auschwitz-Rates ist, den Ruf Polens so sehr in Gefahr, dass er ebenfalls den Eintrag auf der Welterbeliste ergänzen will.
tarahu
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